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Ende politischer Werbung auf Meta und Google: Welche Alternativen ab Oktober 2025 bleiben

Ab Oktober 2025 verschwinden politische und gesellschaftliche Anzeigen von den wichtigsten Online-Plattformen in der EU. Meta und Google haben angekündigt, dass sie keine entsprechenden Kampagnen mehr zulassen werden. Der Auslöser ist die neue EU-Verordnung zur Transparenz politischer Werbung, offiziell „Verordnung (EU) 2024/900 über die Transparenz und das Targeting politischer Werbung“. Sie schreibt strengere Vorgaben für Kennzeichnung, öffentliche Register und Regeln beim Targeting vor. Für Parteien, NGOs und Initiativen fällt damit ein zentraler Kanal der digitalen Öffentlichkeitsarbeit weg.

Die Folgen sind erheblich. Organisationen, die auf Facebook, Instagram oder YouTube bisher Millionen von Menschen mit bezahlten Inhalten erreichen konnten, müssen ihre Strategien neu ausrichten. Auch klassische Kampagnen zu Themen wie Klimaschutz oder Gleichstellung fallen unter die Definition politischer Werbung und sind damit von den Sperren betroffen. Nur Spendenaufrufe ohne politischen Bezug könnten unter bestimmten Umständen weiterlaufen, wobei die Abgrenzung rechtlich unsicher bleibt.

Noch ist unklar, ob sich die Rahmenbedingungen bis dahin verändern. Meta und Google begründen ihre Entscheidung mit dem hohen Aufwand bei der Umsetzung der Verordnung. Sollte die EU-Kommission oder nationale Behörden Spielräume eröffnen, könnten die Konzerne ihre Policies anpassen. Zum jetzigen Zeitpunkt müssen Organisationen aber davon ausgehen, dass ab Oktober 2025 keine politischen Anzeigen mehr über die großen Plattformen möglich sein werden.

Im August hat Google seine Richtlinien konkretisiert und ein vollständiges Verbot politischer Werbung angekündigt. Ausnahmen gelten nur in wenigen Fällen, etwa für Mitteilungen offizieller Stellen der EU oder ihrer Mitgliedstaaten. Eine Ausnahmegenehmigung kann über dieses Formular beantragt werden.

Als Alternativen rücken andere Wege in den Vordergrund. Werbenetzwerke, die bislang keine Einschränkungen angekündigt haben, bieten kurzfristig Ausweichmöglichkeiten. Auch direkte Kooperationen mit Medienhäusern oder digitale Partnerschaften mit Influencerinnen und Influencern werden wichtiger. Solche Formate unterliegen jedoch ebenfalls den rechtlichen Rahmenbedingungen der EU-Verordnung und müssen transparent gestaltet sein.

Ein EU-Entwurf sieht vor, dass künftig alle Online-Werbeanzeigen in einer Transparenzdatenbank erfasst werden. Zudem muss offengelegt werden, welche Zielgruppen angesprochen werden, welche Kosten anfallen und wer die Werbung finanziert.

Parallel gewinnen eigene Kanäle an Bedeutung. Viele Organisationen investieren verstärkt in Newsletter, Community-Arbeit über Messenger-Dienste oder den Aufbau eigener Plattformen. Auch Suchmaschinenoptimierung und klassische Medienarbeit werden für Reichweite wieder relevanter. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von der schnellen, bezahlten Reichweitensteigerung hin zu langfristiger Bindung und direkter Kommunikation. Mögliche Alternativen im Überblick:

  • Werbenetzwerke, die politische Werbung noch zulassen
  • Kooperationen mit klassischen Medienhäusern
  • Zusammenarbeit mit Influencerinnen und Influencern
  • Investitionen in Newsletter und E-Mail-Marketing
  • Messenger-Gruppen, etwa über WhatsApp oder Telegram
  • Aufbau eigener Plattformen und Communities
  • Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Generative Engine Optimization (GEO)
  • Klassische Medien- und Pressearbeit

Plattformen mit Verbot politischer Werbung (Paid Ads) in der EU

  • Meta (Facebook, Instagram, Threads, WhatsApp) – Ab Anfang Oktober 2025 werden keine politischen, Wahl- oder gesellschaftlichen Issue-Anzeigen mehr auf den Meta-Plattformen in der EU zugelassen.
  • Google (inkl. YouTube und Google Display-Netzwerk) – Ebenfalls bis Oktober 2025 stellt Google politische Werbung in der EU vollständig ein. Weitere Informationen zu den Regeln findet man hier.
  • TikTok verbietet weltweit politische Werbung.
  • LinkedIn – Politische Anzeigen sind auf LinkedIn komplett untersagt.
  • Pinterest – Politische Werbung ist auf Pinterest nicht gestattet.
  • Microsoft (Bing Ads) – Politische Inhalte sind auf Microsofts Werbeplattform untersagt.
  • Amazon – Politische und Wahl-Werbung ist auch bei Amazon nicht zulässig.
  • Snapchat – Seit 1. Oktober 20205 erlaubt Snap keine politische Werbung mehr in Europa.
  • X (ehemals Twitter) – Politische Werbung ist auf X zwar grundsätzlich erlaubt, aber nur in ausgewählten Ländern. EU-Länder werden unter den erlaubten Ländern nicht aufgelistet.

Plattformen mit Möglichkeit für politische Werbung (Stand Oktober 2025)

  • Taboola – Das Content-Discovery-Netzwerk Taboola hat bislang keine speziellen Einschränkungen oder Verbote für politische Werbung in Europa angekündigt.
  • Outbrain – Auch Outbrain, ein weiteres verbreitetes Empfehlungs-/Native-Advertising-Netzwerk, hat keine neuen Limits für politische Ads bekanntgegeben.

Hinweis: Auch wenn einige Netzwerke politische Werbung grundsätzlich zulassen, müssen Kampagnen stets die rechtlichen Rahmenbedingungen in der EU – insbesondere die Verordnung zur Transparenz und zum Targeting politischer Werbung – einhalten.

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