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Zahnimplantate bald überflüssig? Japan plant Medikament zum Nachwachsen neuer Zähne bis 2030

In Japan läuft derzeit eine klinische Studie, die das natürliche Nachwachsen von Zähnen ermöglichen soll. Ziel ist es, fehlende oder beschädigte Zähne durch körpereigenes Wachstum zu ersetzen. Ein Konzept, das bisher nur in Tierversuchen funktionierte.

Ein Forschungsteam um Katsu Takahashi vom Kitano Hospital in Osaka hat dafür einen Antikörper entwickelt, der das Protein USAG-1 blockiert. Dieses Protein unterdrückt das Zahnwachstum. Bereits 2018 zeigten Versuche an Mäusen, dass sich durch die Blockade von USAG-1 zusätzliche Zähne bilden.

Derzeit testen die Forscher den Wirkstoff an Kindern mit Anodontie – einer seltenen genetischen Erkrankung, bei der Zähne ganz fehlen. Die Studie richtet sich an Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren. Sollte sich das Mittel als sicher und wirksam erweisen, ist eine breitere Anwendung ab etwa 2030 geplant.

Auch Erwachsene mit Zahnverlust könnten langfristig profitieren. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben rund sieben Prozent der Menschen über 20 keine eigenen Zähne mehr. Bei den über 60-Jährigen steigt dieser Anteil auf etwa 23 Prozent. Derzeit kommen hier meist nur Prothesen oder Implantate zum Einsatz.

Weltweit arbeiten weitere Forschungsgruppen an biologischen Alternativen. Forschende der Tufts University entwickeln ein Zellgerüst, das mit menschlichen und tierischen Zellen bestückt wird. Erste Labortests zeigen Potenzial für funktionsfähige Zahnnachbildungen. Ein Team der Universität Washington konnte außerdem Proteine erzeugen, die Zahnschmelz bilden, ein möglicher Schritt hin zu stammzellbasierten Behandlungen.

Am King’s College London züchteten Wissenschaftler bereits einen Zahn im Labor. Laut Projektbeteiligten kann sich dieser in den Kiefer integrieren – stabiler als ein Implantat und ohne Abstoßungsrisiko.


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